Lagree vs. Reformer Pilates: Warum ich beim Reformer geblieben bin

Ich werde oft gefragt, ob Lagree nicht einfach das Gleiche ist wie Reformer Pilates. Die Geräte sehen sich ähnlich, beide arbeiten mit einem gleitenden Schlitten und Federn. Aber sobald die erste Übung läuft, merkst du, dass das zwei verschiedene Welten sind. Ich habe Lagree mehrmals bei Shapesty hier in Berlin gemacht und bin danach ganz bewusst beim Reformer geblieben. Woran das lag und worin sich die beiden Methoden wirklich unterscheiden, liest du hier.
Wo beide herkommen
Reformer Pilates geht zurück auf Joseph Pilates, der seine Methode Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Im Zentrum stehen kontrollierte Bewegungen, bewusste Atmung, Stabilität aus der Körpermitte und eine gute Verbindung zwischen Kopf und Körper. Der Reformer wurde ursprünglich auch genutzt, um Verletzte sanft wieder in Bewegung zu bringen. Diese Wurzeln prägen die Methode bis heute: Präzision, Kontrolle, schonende Belastung.
Lagree ist deutlich jünger. Sebastien Lagree entwickelte die Methode in den frühen 2000ern in Los Angeles. Sein Hintergrund liegt nicht im klassischen Pilates, sondern im Kraft- und Bodybuilding-Training. Genau das ist der Kern: Lagree überträgt Prinzipien wie Time under Tension, also möglichst lange Muskelspannung, und progressive Belastungssteigerung auf ein reformerähnliches Gerät. Heraus kommt ein hochintensives, athletisches Training, das mit Pilates verwandt ist, aber eine eigene Disziplin bleibt.
Die Geräte: Reformer und Megaformer
Der Reformer ist das klassische Pilates-Gerät: ein Schlitten, der über Federn Widerstand erzeugt, dazu ein Fußbügel, Schlaufen für Hände und Füße sowie Schulterstützen. Die Federspannung lässt sich verstellen, das Gerät ist dadurch sehr vielseitig.
Der Megaformer, das Gerät der Lagree-Methode, sieht ähnlich aus, ist aber für ein anderes Training gebaut. Er hat zwei feste Plattformen an beiden Enden und mehrere Griffstangen statt eines einzelnen Fußbügels. Die Federspannung ist so abgestimmt, dass der Schlitten konstant unter Last steht. Man arbeitet also durchgehend gegen den Widerstand. Megaformer ist eine geschützte Marke, manche Studios nutzen ähnliche Geräte anderer Hersteller, das Trainingsprinzip bleibt dasselbe.
Das Trainingsprinzip: Kontrolle gegen Dauerbelastung
Hier liegt der eigentliche Unterschied, und der ist größer als jedes Gerätedetail.
Reformer Pilates dreht sich um kontrollierte, fließende Bewegungen. Du arbeitest mit der Atmung, achtest auf die Ausrichtung der Wirbelsäule und führst jede Wiederholung bewusst aus. Das Tempo ist moderat, der Fokus liegt auf Qualität. Und ganz wichtig aus meiner Sicht: Zwischen den Übungen gibt es immer wieder kurze Pausen. Man baut auf, man hält, man löst, man stellt das Gerät um. Diese kleinen Verschnaufpausen sind Teil des Konzepts. Falls du dich fragst, wie oft du pro Woche trainieren solltest, hängt das auch mit dem Trainingsprinzip zusammen.
Lagree funktioniert anders. Das Ziel ist, die Muskeln gezielt bis zur Erschöpfung zu bringen. Die Bewegungen sind bewusst sehr langsam, aber unter konstanter Federspannung, die Muskulatur bleibt also dauerhaft unter Last. Diese Time under Tension ermüdet vor allem die langsam zuckenden Muskelfasern und sorgt für ein starkes Brennen. Eine Lagree-Klasse ist deshalb hochintensiv und gleichzeitig low-impact, weil keine Sprünge oder harten Stöße dazukommen. Kraft, Ausdauer und Herz-Kreislauf-Reiz stecken in einer Einheit.
Meine Erfahrung bei Shapesty
Das Lagree-Konzept bei Shapesty sind 45 Minuten ohne Verschnaufpause. Es geht von einer Übung direkt in die nächste über, ohne den kurzen Reset, den ich vom Reformer kenne. Der Fokus ist klar auf Fitness ausgerichtet, die Trainerin gibt mit Mikrofon den Takt vor.
Am Anfang wurde alles gut erklärt: möglichst langsam ausführen und die Sekunden mitzählen. Trotzdem war es für mich die Hölle. Ich habe es nicht geschafft, die ganze Zeit ohne Pause mitzuhalten, an manchen Stellen dachte ich wirklich, ich sterbe. Danach fühlt es sich gut an, nach meinem ersten Mal hatte ich auch ordentlichen Muskelkater. Man merkt definitiv, dass man etwas gemacht hat.
Es wird wahrscheinlich mit der Zeit besser. Die anderen im Kurs konnten deutlich besser mithalten als ich. Ich war aber erst ungefähr vier Mal da und das nicht regelmäßig, deshalb habe ich bei mir selbst keinen richtigen Fortschritt gesehen.
Warum ich beim Reformer bleibe
Beim Reformer ist nicht nur das Gefühl danach gut, sondern auch währenddessen. Ich freue mich jedes Mal darauf. Bei Lagree war es eher ein Durchquälen durch 45 Minuten, mit einem guten Gefühl erst am Ende.
Lagree ist wahrscheinlich effektiver, gerade wenn es um Kraftaufbau und Kalorienverbrauch geht. Aber Training soll auch Spaß machen und etwas sein, bei dem ich es schaffe, dranzubleiben und eine Routine aufzubauen. Für mich funktioniert das beim Reformer einfach besser. Wer es liebt, nach 45 Minuten komplett platt vom Gerät zu steigen, ist bei Lagree dagegen genau richtig.
Reformer und Lagree im Überblick
| Aspekt | Reformer Pilates | Lagree |
|---|---|---|
| Ursprung | Joseph Pilates, frühes 20. Jh. | Sebastien Lagree, frühe 2000er |
| Gerät | Reformer (Fußbügel, Schlaufen) | Megaformer (zwei Plattformen, Griffstangen) |
| Grundprinzip | Kontrolle, Atmung, Ausrichtung | Time under Tension, Muskelermüdung |
| Pausen | Kurze Pausen zwischen Übungen | Durchgehend, kaum Verschnaufpausen |
| Intensität | Niedrig bis moderat, anpassbar | Hoch |
| Belastung | Low-impact | Low-impact |
| Hauptziel | Core, Haltung, Beweglichkeit | Kraft, Definition, Ausdauer, Kalorien |
| Reha-tauglich | Ja, gut anpassbar | Eher nein, oft zu intensiv |
| Für Einsteiger | Gut geeignet | Bedingt |
Für wen passt was
Reformer Pilates ist eine gute Wahl, wenn du neu im Bereich Pilates bist, nach einer Verletzung oder mit körperlichen Einschränkungen trainieren möchtest oder wenn dir Haltung, Beweglichkeit und Körpergefühl wichtiger sind als maximales Auspowern. Viele Physiotherapeut:innen empfehlen Pilates als Teil von Reha- und Präventionsprogrammen, weil sich die Übungen so gut modifizieren lassen. Mehr dazu in unserem Artikel zu Reformer Pilates bei Rückenschmerzen.
Lagree passt zu dir, wenn du schon eine gewisse Grundfitness hast, gern hochintensiv aber gelenkschonend trainierst und in überschaubarer Zeit mehr Kraft und sichtbar definierte Muskeln sehen willst. Lagree verbrennt pro Einheit tendenziell mehr Kalorien und setzt stärker auf Muskelaufbau.
Und falls du dich nicht entscheiden kannst: Beides lässt sich kombinieren. Reformer für Mobilität, Stabilität und saubere Technik, Lagree für den intensiven Kraftreiz. Wenn dich die verschiedenen Vorteile von Reformer Pilates interessieren, findest du hier einen tieferen Einblick.
Lagree und Lagree-ähnliches Training in Berlin
Wer Lagree oder Lagree-ähnliches Training in Berlin ausprobieren möchte, hat aktuell drei Anlaufstellen:
Shapesty
Shapesty ist ein reines Lagree-Studio mit Megaformer-Geräten. Die Klassen dauern 45 Minuten, maximal 12 Teilnehmer:innen pro Kurs. Neukunden starten mit dem First Timer Deal: 2 Klassen für 35 Euro. Ein Drop-in kostet ebenfalls 35 Euro. Memberships gibt es ab 96 Euro pro Monat (4 Klassen) bis 228 Euro pro Monat (12 Klassen). Alle Memberships haben eine 6-monatige Laufzeit.
Framework
Framework ist ein Lagree-Studio mit zwei Standorten: Kreuzberg (Oranienstraße 185) und Prenzlauer Berg (Christinenstraße 19a). Das teacher-owned Studio bietet neben Lagree auf dem Megaformer auch Personal Training und Physiotherapie an. Die Klassen dauern 50 Minuten. Neukunden bekommen 2 Klassen für 35 Euro (First Timer, 14 Tage gültig). Drop-in: 35 Euro. Packages ab 160 Euro (5 Klassen, 32 Euro pro Stunde) bis 520 Euro (20 Klassen, 26 Euro pro Stunde). Memberships: Micro 96 Euro (4x/Monat), Mini 135 Euro (6x/Monat), Mega 210 Euro (10x/Monat).
Roform (Rostudios)
Roform in Prenzlauer Berg (Schönhauser Allee 9) ist kein reines Lagree-Studio, sondern bietet ein Hybrid-Konzept zwischen Lagree und Reformer Pilates an. Trainiert wird auf custom-made Reformer-Maschinen statt auf dem Megaformer. Das Studio hat zwei Räume mit insgesamt 37 Geräten und ist seit Januar 2026 geöffnet. Mit einem Drop-in von 14 Euro und Memberships ab 44 Euro pro Monat (4 Klassen) ist Roform deutlich günstiger als die reinen Lagree-Studios. Auch über Urban Sports Club buchbar.
Quellen
